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Wir haben gelernt, mutiger zu sein

Artikel — Aus der Küche

In der Kindervilla Pusteblume in Lößnitz hat sich in den vergangenen Monaten vieles verändert. Innerhalb von sechs Monaten hat das Team den Einkauf und auch Abläufe vor Ort umgestellt.

Küchenleiterin Houng Bui arbeitet heute mit deutlich mehr Bio-Lebensmitteln und Produkte aus der Regio: Der Bio-Anteil stieg von fünf auf 74 Prozent, der Regio-Anteil von fünf auf 17 Prozent. Der Einkauf wird jetzt weitestgehend zentral organisiert und neue pflanzenbasierte Gerichte gehören inzwischen selbstverständlich zum Speiseplan. Dass in der Kindervilla Pusteblume frischer gekocht wird, zeigt auch die Auswertung des Anteils hochverarbeiteter Produkte. Dieser sank von 25 auf zehn Prozent. Hinter diesen Veränderungen steckt ein engagiertes Team, das bereit ist, gewohnte Abläufe zu hinterfragen und Neues auszuprobieren.

Zur Aktionswoche „Eine Portion Zukunft – lokal & lecker“ hat die Kita öffentlich gezeigt, wofür sie sich in den letzten Monaten eingesetzt hat. Wir haben mit Einrichtungsleiterin Sandra Werner darüber gesprochen, wie sie den Aktionstag und den Veränderungsprozess erlebt hat, welche Herausforderungen es gab und warum sich der Einsatz aus ihrer Sicht gelohnt hat.

Ihr habt an der Aktionswoche „Eine Portion Zukunft – lokal & lecker“ teilgenommen. Wie habt ihr den Tag bei euch in der Kita erlebt?

Für uns war das ein besonderer Tag. Wir hatten die Möglichkeit, unsere Entwicklung und die Veränderungen, die wir in den vergangenen Monaten angestoßen haben, sichtbar zu machen. Vor allem die Zusammenarbeit mit dem Team von Stadt-Land-Küche war dabei sehr angenehm. Die Vorbereitung und Organisation haben gut funktioniert und wir haben uns während des gesamten Aktionstags gut begleitet gefühlt.

Besonders schön war für uns, dass Nachhaltigkeit, regionale Lebensmittel und gutes Essen einmal ganz bewusst im Mittelpunkt standen. Im Alltag bleibt oft wenig Zeit, um über all die Veränderungen zu sprechen. An diesem Tag konnten wir zeigen, welche Schritte wir bereits gegangen sind und warum uns eine hochwertige Verpflegung für Kinder so wichtig ist.

Für die Kinder war es ein aufregender und besonderer Tag. Viele waren neugierig auf die Aktionen, wie einem Kurzbesuch vom Bürgermeister und das Essen wurde von den meisten Kindern positiv angenommen.

Hat die Teilnahme am Aktionstag die Sichtbarkeit eurer Veränderungen erhöht?

Ja, definitiv. Der Aktionstag war eine gute Gelegenheit Eltern und weiteren Beteiligten über die Veränderungen in unserer Küche ins Gespräch zu kommen. Viele der Entwicklungen wurden dadurch noch einmal bewusster wahrgenommen. Die Rückmeldungen zu den Veränderungen in der Verpflegung sind mittlerweile überwiegend positiv. Besonders die deutliche Steigerung unseres Bio-Anteils wurde von vielen Eltern sehr wertgeschätzt. Vereinzelt gab es auch kritische Stimmen zu einzelnen pflanzenbasierten Gerichten, aber das gehört für uns zu einem offenen Veränderungsprozess dazu.

Der Aktionstag hat uns gezeigt, wie wichtig Transparenz und Austausch sind. Wenn Kinder, Eltern und Mitarbeitende verstehen, warum bestimmte Veränderungen stattfinden, entsteht oft mehr Interesse und Akzeptanz. Genau das möchten wir auch künftig weiter fördern.

Welche Veränderungen habt ihr im Laufe der Beratung umgesetzt?

Eine der wichtigsten Veränderungen war die Umstellung des Einkaufs. Unsere Küchenleiterin Huong Bui hat die Lebensmittel selbst im Einzelhandel eingekauft. Das hat viel Zeit gekostet und dazu geführt, dass freitags oftmals nicht selbst gekocht werden konnte. Heute bestellen wir zentral über einen Lieferanten und erhalten einmal pro Woche eine Lieferung. Dadurch sparen wir Zeit und können deutlich besser planen als früher. Natürlich müssen wir noch vereinzelt Produkte zukaufen, aber insgesamt hat sich unser Arbeitsalltag dadurch spürbar erleichtert.

Auch bei unseren Abläufen in der Küche hat sich einiges verändert. Gemeinsam mit Falco haben wir beispielsweise die Anschaffung und Planung eines zusätzlichen großen Kühlschranks durchgeführt. Dadurch können wir Komponenten und Gerichte besser vorbereiten und haben deutlich mehr Möglichkeiten bei der Umsetzung unseres Speiseplans. Manche Speisen wären zuvor schlicht nicht möglich gewesen, weil die Lagerkapazitäten gefehlt haben.

Welche Ideen oder Impulse waren für euch besonders wertvoll?

Sehr hilfreich waren die vielen praktischen Tipps rund um Rezepturen und Gewürze. Gerade für Kinder muss man beim Würzen sensibel sein. Trotzdem haben wir gelernt, wie man Gerichte abwechslungsreicher gestalten kann, ohne den Geschmack der Kinder zu überfordern.

Besonders spannend fanden wir neue pflanzenbasierte Alternativen. Ein gutes Beispiel ist Sonnenblumenhack als Alternative zu Hackfleisch. Das wurde von den Kindern erstaunlich gut angenommen. Viele haben den Unterschied gar nicht bemerkt. Das zeigt, dass pflanzliche Gerichte durchaus funktionieren können, wenn sie gut gemacht sind.

Natürlich hat nicht jedes Rezept sofort funktioniert. Beim selbst gemachten Kita-Ketchup oder bei einer Falafel-Rezeptur mussten wir feststellen, dass manche Ideen für unsere Rahmenbedingungen oder die Vorlieben der Kinder nicht optimal geeignet sind. Aber genau das gehört für mich dazu: Man probiert Dinge aus, lernt daraus und entwickelt sich weiter.

Welche Herausforderungen musstet ihr unterwegs bewältigen?

Die größte Herausforderung war sicherlich, neue Abläufe dauerhaft in den Kita-Alltag zu integrieren. Am Anfang waren auch die Kalkulationen und die Dokumentation ungewohnt. Dafür musste ich mir bewusst Zeit nehmen. Sobald man sich jedoch eingearbeitet hat, erkennt man schnell den Nutzen.

Außerdem war es wichtig, alle Beteiligten mitzunehmen. Veränderungen funktionieren nur, wenn Vorstand, Team, Küche und Pädagoginnen und Pädagogen gemeinsam dahinterstehen. Es gab natürlich auch kritische Stimmen oder Gerichte, die nicht überzeugt haben. Aber solche Erfahrungen gehören zu Veränderungsprozessen dazu. Entscheidend ist, dass man offen bleibt und ausprobiert.

Was nehmt ihr aus der Zusammenarbeit mit?

Wir haben gelernt, mutiger zu sein und Veränderungen aktiv anzugehen. Heute schauen wir ganz anders auf unsere Verpflegung als noch vor einem Jahr. Wir wissen, dass mehr Bio, mehr Handwerk und mehr pflanzliche Gerichte auch unter realen Bedingungen möglich sind.

Besonders wichtig ist für mich, dass wir Prozesse angestoßen haben, die langfristig wirken. Die neuen Lieferstrukturen, die stärkere Orientierung an saisonalen Produkten, die höhere Bio-Qualität und die vielen neuen Ideen werden uns auch in Zukunft begleiten. Gleichzeitig wissen wir, dass Weiterentwicklung nie abgeschlossen ist und wir weiterhin dazulernen können.

Vielen Dank fürs Gespräch, Sandra und herzlichen Glückwunsch an dich und dein Team zu diesen herausragenden Ergebnissen!

Fotos: Nils Böddingmeier/Speiseräume

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