Die Staatliche Porzellan-Manufaktur Meißen nimmt seit Juli 2025 am Küchentraining von Stadt-Land-Küche teil. Am 22. Oktober 2025 zeigte das Team um Küchenleiter Silvio Escher zur Aktionswoche „Mahlzeit! So kocht Sachsen“, wie viel sich in kurzer Zeit bereits verändert hat.
Seit Küchentrainer Paul Götze das Team begleitet, ist die Zahl der täglichen Gäste deutlich gestiegen. Statt 100–120 Mitarbeitenden essen inzwischen rund 170 regelmäßig in der Kantine. Gerichte wie Linsencurry, Burgunder Bete oder ein klassisches Rindergulasch mit Semmelknödel in angepasster Rezeptur finden großen Zuspruch. „Die Gäste nehmen die neuen Gerichte super an und sind erstaunt, wie lecker sie sind. Viele fühlen sich nach dem Essen auch nicht mehr so platt, sondern fitter“, berichtet Markus Stuckas, stellvertretender Küchenleiter, am Aktionstag. Das Team hatte sich vorgenommen, in sechs Monaten den Fokus stärker auf unverarbeitete und frische Lebensmittel zu legen und ein Speiseangebot zu entwickeln, das appetitlich, alltagstauglich und ernährungsbewusst ist.
Die Umstellung zeigt bereits spürbare Wirkung: Der Anteil an Fertigprodukten wurde innerhalb von nur drei Monaten halbiert. Die Küche arbeitet saisonaler, pflanzenbetonter und flexibler. Gleichzeitig sind die Ausgaben um 30 Prozent gesunken: ein Ergebnis, das selbst das Küchenteam überrascht hat.
Ein zentraler Erfolgsfaktor ist die enge Zusammenarbeit mit dem rund 15 Kilometer entfernten Hof Mahlitzsch, der seit fast 30 Jahren ökologisch wirtschaftet. Er lieferte auch die Zutaten für das Aktionsgericht Burgunder Bete mit Salzkartoffeln, gepickelter Senfsaat und Crème fraîche. Mit seiner Vielfalt an Kulturen und seiner Flexibilität passt der Hof ideal zu den Anforderungen der Großküche in Meißen. Für Markus Stuckas ist die Kooperation ein echter Gewinn: Die Produkte seien hochwertig und die regionale Herkunft werde von den Mitarbeitenden geschätzt.
Philipp Elger vom Hof Mahlitzsch, der zum Aktionstag auch in das Mitarbeiterrestaurant gekommen ist, beobachtet eine wachsende Nachfrage aus der Gemeinschaftsgastronomie. Insbesondere teilvorverarbeiteten Produkten wie geschälten Kartoffeln werden häufiger bei ihm angefragt. Sein Betrieb reagiert darauf, um Küchen effizient unterstützen zu können. Gleichzeitig steige das Interesse der Küchen an regionalen Lebensmitteln, etwa beim Seniorenheim Rudolf-Frieling-Haus in Dresden, das seit Sommer am Küchentraining von Stadt-Land-Küche teilnimmt. Für den Hof sei diese Entwicklung eine große Chance.
Auch Tina Stapel von der Waldorfschule Chemnitz hat sich auf den Weg nach Meißen gemacht, um von ihren Erfahrungen zu berichten. Die Waldorfschule hat das Küchentraining bereits abgeschlossen. Innerhalb von sechs Monaten hat es das Küchenteam der Schule geschafft, den Bio-Anteil von 35 auf 82 Prozent zu steigern und den Wareneinsatz auf 28 Prozent zu senken. Ihr Team bezieht inzwischen regelmäßig bei fünf regionalen Partnern – ein Beispiel dafür, wie nachhaltiges Wirtschaften und gutes Essen Hand in Hand gehen können.
Das Küchenteam der Porzellan-Manufaktur hat noch ein paar Monate Zeit, mit der Unterstützung von Paul Götze an ihren Zielen zu arbeiten. Zur Aktionswoche haben Silvio Escher und sein Team bereits eindrucksvoll gezeigt, wie eine Kantine mit Mut, handwerklichem Können und starken regionalen Partnern Schritt für Schritt frischer und nachhaltiger wird – und wie gut das schmeckt.
Fotos: Nils Böddingmeier & Speiseräume
Erschienen am 10. Dezember 2025